Stipendium Junge Kunst

Das Residenzstipendium wird jährlich bundesweit an Kunsthochschulen und Akademien ausgeschrieben. Es richtet sich an junge Künstlerinnen und Künstler, deren Studienabschluss nicht länger als ein Jahr zurückliegt. Professoren der Kunsthochschulen und  Akademien üben Vorschlagsrecht.

Das Stipendium ist als Residenzstipendium konzipiert. Es ist mit monatlich € 1.250,- dotiert und ermöglicht jungen Künstlerinnen und Künstlern einen neunmonatigen Arbeitsaufenthalt im Kunsthaus Essen mit einer abschließenden Ausstellung und einer Publikation.

Das Stipendium Junge Kunst in Essen wurde 1998 von den Essener Rotary-Clubs initiiert und bis 2007 finanziell unterstützt. Seit 2008 ist das Stipendium ein Kooperationsprojekt des Kunsthaus Essen mit dem Kunstring Folkwang und wurde bis 2013 von der Donatorin Helene Mahnert-Lueg privat getragen.  Die Förderung des mittlerweile national wie international renommierten Stipendiums übernimmt nun die RWE Stiftung zunächst für ein Jahr.

Die Juroren für das Stipendium 2013/2014 waren: Prof. Dr. Jean-Christophe Ammann (ehem. MMK, Frankfurt a.M.), Prof. Dr. Stephan Berg
 (Kunstmuseum, Bonn), Anne Berlit (Kunsthaus Essen), Julia Charlotte Richter (Berlin), Dr. Britta Schmitz (Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie, Berlin),
Dr. Marcel Schumacher (Museum Folkwang, Essen).

Foto: Isabel Hernandez

FRANCISCA GÓMEZ
TO BE IN A HOME NOW.
Abschlussausstellung zum 16. Stipendium Junge Kunst in Essen
im Kunsthaus Essen

Freitag, 27.6.2014, 19 Uhr
Herzliche Einladung zur Katalogpräsentation & Führung durch die Ausstellung mit Francisca Gómez

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 29.6.2014, zu sehen.

Öffnungszeiten des Kunsthaus Essen sind:
Donnerstag bis Sonntag 15-18 Uhr

Kunsthaus Essen
Rübezahlstr. 33
45134 Essen
Tel. 0201 - 44 33 13
Fax 0201 - 47 22 41
khe@kunsthaus-essen.de
www.kunsthaus-essen.de

Detroit, Madrid, EuroVegas: weltweit zeichnen die Folgen zügelloser ökonomischer Spekulation tiefe Spuren der Verwüstung in die Topographie der Städte. Ganze Metropolen werden dem Verfall preisgegeben, die Infrastruktur urbaner Randzonen gar nicht erst in Betrieb genommen und ehemals lebendige Landzonen in Mondlandschaften verwandelt. Die Spuren der Finanzkrise in Architektur, Infrastruktur und Landschaft sind nicht nur in Nordamerika, sondern auch in Süd- und Mitteleuropa unübersehbar. Und diese Krise schreibt sich als tiefe Furche in den sozialen Alltag der Menschen ein, die diese Regionen besiedeln.
 
Diesen Städten und Menschen ein Gesicht zu geben, sie als gesamtgesellschaftliches - und nicht als individuelles - Problem zu porträtieren, hat sich die Künstlerin Francisca Gómez zur Aufgabe gemacht. Die künstlerische Geste als Zeichen als Thematisierung gesellschaftlicher Verantwortung, das ist die Herausforderung, der sie sich stellt. Dass die Künstlerin zur Verwirklichung dieses Anspruchs ein geradezu klassisches Medium gewählt hat – die analoge Fotografie – verstärkt die von ihr angestrebte Reflexion der Verhältnisse. Zu reflektieren sind – das zeigen ihre fotografischen Arbeiten deutlich – nicht nur die ökonomischen Auswüchse und die daraus resultierenden sozialen
Verwerfungen. Zu überprüfen ist auch die Darstellungskraft der Kunst: die Frage, ob Kunst die Verhältnisse nicht nur spiegeln, sondern auch offenlegen kann, durchzieht wie ein roter Faden das Werk der Künstlerin, die sich innerhalb ihres Stipendiumaufenthaltes auch und insbesondere mit den architektonischen, städtebaulichen und den sozialen Gegebenheiten des Ruhrgebietes auseinandergesetzt hat.

 Junge Kunst in Essen ist ein Stipendium des Kunsthauses Essen in Kooperation mit dem Kunstring Folkwang, gefördert durch die RWE Stiftung.

ZUSATZVERANSTALTUNG
Freitag, 27. Juni 2014 um 19 Uhr
Katalogpräsentation & Führung mit Francisca Gómez


Kunsthaus Essen
Rübezahlstr. 33
45134 Essen
Tel. 0201 - 44 33 13
Fax 0201 - 47 22 41
khe@kunsthaus-essen.de
www.kunsthaus-essen.de

Dexter Avenue, 2011 (Detail), C-Print

Francisca Gómez
16. Stipendiatin, 2013 / 2014. Geboren 1981 in Berlin, Meisterschülerin der UdK Berlin, überzeugte die Jury mit einer sehr persönlichen Bildsprache in ihrer fotografischen Arbeit. Am Beispiel der prozesshaften Fotoserie [1.986 E/km2 ... Detroit], über den dramatischen Niedergang einer einst blühenden Industriestadt Nordamerikas (2011), oder der jüngst begonnen Arbeit über EUROVEGAS, einer Brachfläche in der Nähe von Madrid, auf der ein europäisches Las Vegas entstehen soll, macht die Künstlerin in medialer Selbstreflektion Wirklichkeit und soziale Prozesse sichtbar.
Und so plant Francisca Gómez auch die durch Strukturwandel und energetische Umnutzung entstandenen Brachflächen im Ruhrgebiet und in der Region um Essen zu untersuchen und wie sie selbst formuliert, „Häuser als soziale Körper“, respektive Gebäude und Landschaften transformatorisch bildhaft zu machen und dem Vergessen zu entreißen.
Fotografie ist für Gómez ein "Instrument, das sich zwischen Sichtbarmachung und medialer Selbstreflexion bewegt". Durch eine Sichtbarmachung des fotografischen Materials mittels analoger fotografischer Methoden wie Langzeit-, Mehrfach-, Unter- und Überbelichtungen oder des kalkulierten Einbaus von Unschärfen in das fotografische Bild gelingt ihr eine besondere Form der künstlerischen Transformation von Wirklichkeitserfahrungen, bei der sich innere und äussere Bilder übereinanderlegen, um daraus ein komplexes Feld an Darstellungen und Bedeutungen entstehen zu lassen.

DTRH-Projektion-Still

Julia Charlotte Richter
15. Stipendiatin, 2012 / 2013. Geboren 1982, studierte zunächst Kunst und Englisch an der Kunsthochschule Kassel sowie an der University of Portsmouth. Nach ihrem Abschluss 2010 wechselte an die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, wo sie 2011 bei Corinna Schnitt ihren Meisterschüler-Abschluss erlangte.

In ihren Filmen und Medieninstallationen befasst sich Julia Charlotte Richter mit dem Lebensgefühl ihrer Generation, dem ungeklärten Zustand des Erwachsenwerdens. Dabei sind neben selbstreflektierenden zunehmend Forschungsarbeiten entstanden, die die Widersprüchlichkeit einer ganzen Alters- und Geschlechtergruppe im Blick haben. Die Künstlerin zeigt, dass es keine einfachen Antworten auf die Frage nach einer emotionalen wie gesellschaftlichen Verortung gibt und sich die Gestaltung von individuellen Lebensentwürfen keineswegs als ein leichtfertig zu realisierendes Unterfangen darstellt. Ihre Videoarbeiten "kreieren materielle und metaphorische Orte des Übergangs von der Kindheit zum Erwachsensein. Sie lädt uns ein, für einen Moment mit ihr an der Schwelle zu verweilen, an der beide Lebensphasen ineinanderfallen." (Alexandra Gerbaulet) 

Foto: Béla Pablo Janssen

Balz Isler
14. Stipendiat, 2011 / 2012. Geboren 1982. Balz Isler bewegt sich in der Komposition von Klang und Raum. Im Spannungsfeld von Installation und Performance entstehen Arbeiten, die sich mit der heutigen Clip- und Dokumentarkultur beschäftigen. Balz Isler sammelt aus den ständigen Datenströmungen und versucht mittels unterschiedlicher Medien und Trägern in seiner Arbeit neue Zusammenhänge zu knüpfen, um allenfalls auf neue Bewegung zu schliessen. Ausgehend von visuellen und akustischen Versatzstücken schafft Isler eine beeindruckende Synthese von körperlich-stimmlicher Performanz und medialer Collage, die aus divergenten Archiven schöpft und dabei bewusst auf Rückkopplung setzt.

Simone Junker
13. Stipendiatin, 2010 / 2011. Geboren 1980 in Karlsruhe. Die Künstlerin, Absolventin der Kunstakademie Düsseldorf, zeichnet mit Tusche oder Bleistift auf meist großformatigen, an der Wand befestigten Papieren. Die Zeichnungen entstehen mit dem Ort, an dem sich die Künstlerin jeweils befindet, und werden häufig installativ im Raum platziert. Das Potenzial und die Kraft ihrer Zeichnungen definiert sich dabei sowohl durch die mit grauschwarzer Tusche bedeckten Bereiche des Papiers als auch durch bewusst in die Zeichnung integrierte, von der Tusche oder dem Bleistift unbedeckte Leerstellen. Aus diesem offenen, unmittelbaren Tun entstehen poetische Räume, deren Definierbarkeit sich an den Grenzen des Sagbaren, nur formal Beschreibbaren bewegt.

Axel Loytved
12. Stipendiat, 2009 / 2010. Geboren 1982. Für Loytveds künstlerische Arbeit sind der Dialog und die intensive Auseinandersetzung mit anderen Künstlern und Positionen von besonderer Bedeutung. Aus diesen Formen der Kooperation entstanden temporäre Zusammenschlüsse wie die Freie Klasse Braunschweig (2003) oder die Künstlergruppe alibi kolektif (2005).

2006 rief Loytved zusammen mit weiteren aktiven Mitstreitern den auf der Reeperbahn in Hamburg beheimateten Kunstverein St. Pauli ins Leben.

Axel Loytved trat sein Residenzstipendium am 1. September 2009 an. Neben der Intensivierung seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit plante er für den neunmonatigen Aufenthalt die Aktivierung von bereits bestehenden Netzwerken sowie den Einbezug von Künstlern und Kulturschaffenden in einen produktiven Dialog, um die Hintergründe des gegenwärtigen Kunstbetriebs durch öffentliche Vorträge und Diskussionen zu beleuchten.

Ole Aselmann
11. Stipendiat, 2008 / 2009. Ole Aselmann überzeugte die Jury durch seine vielfältig inszenierte, mit feinem Humor und Ironie gewürzte Suche nach einem „zeitgenössischen romantischen Ausweg aus der postmodernen Orientierungslosigkeit“. 

Mit seinen performativen Installationen, Sound- und Videocollagen erweist sich Aselmann als wacher Beobachter wie Akteur, der mit einem höchst individuell geprägten System aus bildhaften Zeichen und Bedeutungsträgern den aktuellen Diskurs über die Relevanz westlich wie östlich geprägter Heilsbotschaften in die Sprache der Kunst überführt. 

Anna Lea Hucht
10. Stipendiatin, 2007 / 2008. Geboren 1980 in Bonn, 2000 - 2005 Studium and der Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe bei Prof Erwin Gross, 2005 - 2006, Meisterschülerin bei Erwin Gross. Sie lebt und arbeitet in Karlsruhe.

Anna Lea Hucht beschäftigt sich in ihren Zeichnungen mit der Einbettung von Personen in ihre subjektive Welt. Die Wahl der Szenerie von persönlichen Räumen, die fast schon an Milieustudien erinnern, und die Auswahl der Perspektive erwecken die Neugier des Betrachters, der sich in einer Beobachterrolle wiederfindet.

Simon Halfmeyer
9. Stipendiat, 2006 / 2007. Geboren 1974. In seiner Abschlußausstellung "Gewachsenes und Gebautes" präsentierte er großformatige Zeichnungen, Skulpturen sowie eine raumgreifende Wandarbeit, die während seines neunmonatigen Aufenthalts im Kunsthaus Essen entstanden sind. Sein künstlerisches Interesse gilt der Thematisierung des Verhältnisses von „unberührter“ Natur und konstruierten Naturlandschaften.

Philipp Morlock
8. Stipendiat, 2005 / 2006. Geboren 1974. In seiner Abschlussausstellung „Ich bin schon da“ präsentierte er neue Objekte und Installationen. Philipp Morlocks Skulpturen mischen Orte und Zeiten, innere, ganz und gar individuelle, und äußere, kollektive und soziale. In ihnen verdichten sich unterschiedliche historische, soziale und mentale Bewegungsarten, so daß Gestalt zu einem vielfach aufgeladenen Bedeutungsträger wird.

Slawomir Elsner
7. Stipendiat, 2004 / 2005. Geboren 1976 in Wodzislaw/Polen. Er präsentierte sich dem Essener Publikum mit melancholisch-subversiven Stadtlandschaften in Öl, Buntstiftzeichnungen nach Kriegsbildern, die zwischen Schönheit und Entsetzen oszillieren und die mediale Vermittlung von Bildern reflektieren, sowie mit fotografischen Serien, die Authentizität vortäuschen und auf den zweiten Blick neuen Dimensionen hinter dem Alltäglichen freilegen.

Jana Gunstheimer
6. Stipendiatin, 2003 / 2004. 1974 in Zwickau geboren, studierte sie Ethnologie und Kunstgeschichte in Leipzig sowie Grafik/Malerei an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle, wo sie in diesem Jahr ihr Diplom ablegte.

Für ihre künstlerische Arbeit nutzt Jana Gunstheimer die Welt als Reservoire unentdeckter Möglichkeiten, spürt das Verborgene und Geheimnisvolle auf. Die Realität entpuppt sich bei ihr als Konglomerat labyrinthischer Räume. Realität und Fiktion sind in ihrem Werk nicht klar voneinander zu trennen.

Astrid Nippoldt
5. Stipendiatin, 2002 / 2003. Absolventin der Hochschule für Künste Bremen und Studium bei Jean-François Guiton und Yuji Takeoka. Astrid Nippoldt überzeugt durch Ideenreichtum, Experimentierfreudigkeit, bildnerische Intelligenz und souveränen Umgang mit der Technik. In der Rolle einer neugierigen Beobachterin spürt sie interessante Orte, absurde Szenen und atmosphärische Kippmomente auf: Eine Kirche im Scheinwerferlicht am Abgrund, ein Trabrennen in infernalischem Schneegestöber, ein verpasstes Erdbeben ...

Matthias Weischer
4. Stipendiat, 2001 / 2002. Matthias Weischer ist Absolvent der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. In seiner Antrittsausstellung überraschte er mit großformatiger Malerei, die nicht nur für dieses so häufig totgesagte Medium neue Maßstäbe setzt. 

Raum ist das zentrale Thema von Matthias Weischer: Raum als Koordinatenbestimmung von Himmel, Erde und Kiste. Jede einzelne seiner Arbeiten scheint die Frage zu stellen: Was ist der Raum?

Phillip Zaiser
3. Stipendiat, 2000/ 2001. Zaiser ist Absolvent der Städelschule Frankfurt, der in seinen Rauminstallationen Kneipen- oder Hotelzimmerszenarien simuliert. 1999 eröffnete er zusammen mit Daniel Milohnic im Frankfurter Bahnhofsviertel ein religiöses Zentrum, die „Church of Phantombüro", und verwüstete im Zerstörungsrausch bei seiner Aktion „Bitte Zimmer aufräumen" ein komplettes Schlafzimmer.

Peter Torp
2. Stipendiat, 1999 / 2000 ... "Lassen Sie mich eine kleine Geschichte erzählen: Ich war bei der freundlichen Dame eingeladen, jedoch nicht zum Tee, wie sonst üblicherweise, sondern diesmal war ich abends dort. Es wurde Rotwein gereicht. Angeregt war unsere Unterhaltung, denn es ging um unsere Anschauung von Sandkörnern. Wir hatten jeweils schon jede Menge Sandkörner gesehen und wir versuchten nun, unsere unterschiedlichen Anschauungen miteinander zu vergleichen. Darüber wurden wir müde und wir gingen an die frische Luft..."

Caro Suerkemper
1. Stipendiatin, August 1998 bis April 1999. Vom 16. April bis 16. Mai präsentierte sie ihre Papierarbeiten im Kunsthaus Essen und parallel in der Musterwohnung der Bergarbeitersiedlung Margarethenhöhe.